Weniger planen, mehr machen: Stephanie Vasen-Kron zu Gast im Podcast „Medizinliebe"

Joel Vasen
Weniger planen, mehr machen: Stephanie Vasen-Kron zu Gast im Podcast „Medizinliebe"

Unsere Gründerin Stephanie Vasen-Kron war zu Gast im Podcast „Medizinliebe – Einblicke und Erfahrungen aus der Medizinwelt". Im Gespräch ging es um die Entstehungsgeschichte von VVK-Dental und Dentrotec, um Werte im Unternehmertum, um die Wahlfreiheit von Zahnarztpraxen – und um die Frage, warum viele Gründerinnen und Gründer zu viel planen und zu wenig ins Handeln kommen. Hier fassen wir die wichtigsten Themen der Folge zusammen.

Die Folge hier sehen

Vom Vertrieb zur eigenen Werkstatt

Der Weg in die Dentalbranche war kein Masterplan. Stephanie kam aus dem pharmazeutischen Bereich und der Medizintechnik, wo sie im Außendienst Kliniken und später auch Zahnarztpraxen betreute. Dort stellte sie fest: Es gibt eine große Nachfrage nach Reparaturen – nicht nur nach Neukauf. Immer häufiger gaben Zahnärzte ihr rotierende Instrumente mit und fragten, ob man dafür nicht eine Lösung gegenüber dem Neukauf anbieten könne.

Aus diesem Bedarf entstand 2008 – nach rund zwei Jahren Vorbereitung – gemeinsam mit ihrem Mann VVK-Dental als Reparaturservice für rotierende Instrumente. Später folgte Dentrotec als Onlineshop für Dentalersatzteile, weil Praxen und Techniker zunehmend fragten, ob sie kleinere Arbeiten wie den Wechsel von O-Ringen nicht selbst erledigen könnten. Die Aufgabenteilung im Gründerpaar ergab sich dabei ganz natürlich: er die Technik, sie die Organisation und der Blick nach außen. „Das war kein Plan. Das ist gewachsen – aus dem Tun heraus", so Stephanie im Gespräch.

Werte als Fundament: Fairness, Ehrlichkeit, Augenhöhe

Ein zentrales Thema des Gesprächs waren die Werte, die das Unternehmen von Anfang an prägen: alle so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, ehrlich zu sein und abends mit gutem Gewissen in den Spiegel schauen zu können. Diese Haltung zeigt sich in allen Facetten des Unternehmens. Ehrlichkeit gegenüber Kunden und Partnern ist nicht immer angenehm.

Und dass Ehrlichkeit im wettbewerbsintensiven Medizinmarkt nicht immer den einfachsten Weg bedeutet, gehört dazu. „Daran wächst man", lautet das Fazit. In jedem Fall aber wird es durch das Vertrauen der Kunden belohnt.

Praxen haben ein Recht auf Wahlfreiheit

Freie Werkstätten stehen naturgemäß in einem Spannungsfeld mit den Herstellern, die oftmals lieber neu verkaufen oder Reparaturen selbst übernehmen möchten – aus wirtschaftlichen Gründen nachvollziehbar. Stephanie Vasen-Kron hält dennoch dagegen: Zahnarztpraxen haben ein Recht auf Wahlfreiheit. Eine unabhängige Werkstatt kann frei wählen und der Praxis alle Optionen aufzeigen – die Reparatur mit Drittanbieterteilen, die Reparatur mit Originalteilen oder ein generalüberholtes bzw. neues Instrument. Die Entscheidung trifft am Ende die Praxis, passend zu Budget, Praxisorganisation und langfristiger Planung. 

Beim Thema Qualität räumt sie mit einem verbreiteten Vorurteil auf: Drittanbieterteile seien pauschal schlechter. So einfach ist es nicht – die Qualitätsunterschiede am Markt sind groß. Es gibt Billigteile, die dem Original täuschend ähnlich sehen; erst beim Öffnen zeigt sich, wo gespart wurde. Viele andere Drittanbieterteile stehen dem Original in der Regel jedoch in nichts nach – und können sich in der Praxis mitunter sogar als die bessere Wahl erweisen. Welchen Lieferanten man vertraut, entscheidet sich über jahrelange Erfahrung und konsequentes Testen. Entscheidend ist deshalb, nur Teile zu verbauen, mit denen man langfristig gute Erfahrungen gemacht hat. Und wenn der Kunde es wünscht gibt es immer die Option das Original zu verbauen.

Reparieren statt wegwerfen: Nachhaltigkeit mit Substanz

Ein Blick in die sogenannten „Kaputtschubladen" alter Praxen zeigt, wie viele Instrumente wegen Kleinigkeiten aussortiert wurden – ein defekter O-Ring, ein verschlissenes Lager, zu wenig Wasserdurchfluss. Dabei ist die Reparatur in vielen Fällen die wirtschaftlichere und ökologischere Lösung: Was bereits existiert, muss nicht neu produziert werden. Stephanie ist überzeugt, dass Reparaturen künftig weiter an Stellenwert gewinnen – nicht als Notlösung, sondern als erste Wahl. Denn durch die oftmals geringe Anzahl beweglicher Bauteile verhalten sich die meisten defekten Instrumente nach der Reparatur wie Neuteile.

Reparatur oder Neuanschaffung? Die richtigen Fragen stellen

Für Zahnärztinnen und Zahnärzte oder Labore, die zwischen Reparatur und Neukauf schwanken, gibt es keine Pauschalantwort. Entscheidend sind Fragen wie: Wie lautet die Praxisstrategie? Wie oft wurde das Instrument bereits repariert – und warum? Was gibt das Budget her, jetzt und im kommenden Jahr? Wie lange soll die Praxis noch geführt werden? Und stimmt womöglich etwas in der Pflegeroutine nicht, etwa am Ölgerät?

Stephanies Rat: den Dialog suchen – nicht, um zu hören „mach das oder das", sondern um verschiedene Perspektiven durchzusprechen und sich dann ein eigenes Bild zu machen.

Der Rat an Gründerinnen und Gründer: Einfach losgehen

Auf die Frage, was sie jungen Start-ups mitgeben würde, hat Stephanie eine klare Antwort: weniger planen, mehr machen. Losgehen, ausprobieren, Fehler akzeptieren – denn Fehler bringen einen weiter, solange man die teuren vermeidet. „Manchmal wird zu viel geplant und zu wenig gemacht", sagt sie rückblickend. Dass sie und ihr Mann „aus Versehen" einfach losgegangen sind, war im Nachhinein einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren.

Heute arbeitet bereits die nächste Generation im Familienunternehmen mit – und der nächste große Schritt steht an: mehr Raum, mehr Personal, gesundes Wachstum. Langweilig wird es nicht.

Die Folge hier sehen


Die vollständige Folge ist im Podcast „Medizinliebe – Einblicke und Erfahrungen aus der Medizinwelt" verfügbar, unter anderem auf YouTube und Spotify.

Kommentar hinterlassen

Alle Kommentare werden von einem Moderator vor der Veröffentlichung überprüft